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Ulrike Wallis sagt über ihre Arbeit:
Tanzend den Geist der Kunst offenbaren, das ist TanzKunst. Das öffentliche Bewußtsein zurückgewinnen für die künstlerische Sprache des Tanzes, das ist ein Anliegen meines Schaffens. Tanz ist nicht zu verstehen, Tanz ist nur zu erleben! Mit Erlebnis meine ich die Wirk-lichkeit einer Erfahrung, keinen Dauerorgasmus aus Megaevents. Ich kann viel erleben ohne etwas zu erfahren. Wir erleben über unsere Sinne. Je unmittelbarer das sinnliche Erlebnis, um so stärker und prägender der Eindruck, um so wahrscheinlicher wird aus Erleben Erfahrung. Tanz ist wie keine andere Kunst unmittelbar. Sie ist unvermittelt und nackt. Sie (be)lebt aus dem Augenblick. Sie offenbart sich in Leibhaftigkeit ohne Transfer eines anderen Mediums oder Instrumentes. Und sie ist Geschöpf und Schöpfendes zugleich. Als Tänzerin bin ich das Kunstwerk selbst. Zwar tritt mein Ich als Person hinter ihm zurück, sie bedient es. Aber meine Kunst existiert nur solange ich tanze. Mit jedem Tanz erschaffe ich sie neu und werde von ihr geschaffen. Es ist ein ständiger Schöpfungszyklus aus Geburt und Tod, aus Gebär(d)en und sterben. Mein Ich stirbt tausend Tode auf dem Drahtseil zwischen Kunst und Künstlerin. Mein Publikum durchlebt zusammen mit mir diesen künstlerischen Akt. Uns verbindet für die Dauer des Tanzes ein gemeinsamer Zeit-Raum höchster Konzentration, Intensität und Intimität. Seelisches offenbart sich über den tanzenden Leib, unverhohlen, abseits
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kalkulierbarer Sprache. Es erscheint aus der Anonymität heraus und kehrt in sie zurück.
Danach bleibt nur die Erinnerung. Jede visuelle Aufzeichnung kreiert bereits ein neues, eigenes Bild vom Geschehenen. TanzKunst hinterläßt keine nachweisbaren, nachlesbaren Spuren, sie ist selbst Spur. Ihre Sprache liegt jenseits begrifflicher Dinglichkeit, auch wenn und gerade weil sie sich so physisch gestaltet. Wir haben uns von dieser Sprache entfremdet und darum befremdet sie uns. Mein Tanz erzählt keine Geschichten. Er entsteht aus sich selbst heraus. Es sind abstrakte Gestaltungen, die die/den Betrachtende/n zu eigenen Assoziationen auffordern. Ich grabe die Formen heraus indem ich tiefer und tiefer in eine Bewegung vordringe. Die Tänze haben ihre eigene Seele und sie folgen ihrer eigenen Logik. Sie entstammen einem fernen Wissen. Oft überraschen sie mich mit ihren Ent-deckungen. Zwingen lassen sie sich nie, ihre Geheimnisse nie entreißen. Kunst kann man nicht besitzen. Sie ist eine Gabe. TanzKunst läßt sich nicht herstellen und auch nicht erlernen. Ich kann wohl den Boden bereiten und Samen einpflanzen. Ich kann düngen und wässern, ich kann mich üben. Ich kann Hingabe, Gelassenheit, Ausdauer und Klarheit entfalten und meinen Mut in Demut züchten. Ich kann mein Instrument stimmen für den großen schöpferischen Atem.
Kunst ist eine Lebensentscheidung. Sie schenkt viel zu einem hohen Preis. Sie kann alles geben und alles abverlangen. Darin ist sie dem Göttlichen nahe.
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